Sir John Retcliffe
(1816-1878)

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Der zum Lager der extremen Konservativen gehörende Journalist Hermann Goedsche, zeitweise Redaktionskollege von Theodor Fontane, entwarf mit seinen historisch-politischen Romanen aus der Gegenwart ein umfassendes Bild der politischen Vorgänge seiner Zeit. Dabei versuchte er durch die Einführung von weltweit operierenden politischen Geheimbünden - auch einer jüdischen Weltverschwörung - zu einem schlüssigen Weltmodell zu gelangen. Das Pseudonym Sir John Retcliffe verwendete er, um den Lesern Authentizität der von ihm geschilderten "Hintergrundinformationen" aus dem feindlichen (englischen) Lager zu suggerieren.
Um Leser für seine aggitativen Romane zu finden, benutzte Goedsche die Form des Abenteuerromans, wobei er sich aller bis dahin bekannten Variationen dieser Literaturgattung (Ferry, Sue, Dumas usw) bediente. Indem er diese unterschiedlichen Elemente für seine Zwecke variierte, umformte und zusammenfügte, schuf Goedsche etwas völlig Neues - den großen Romanen von Alexander Dumas und Eugene Sue mindestens gleichwertig.
Eine "dunkle Seite" des Sir John Retcliffe soll aber nicht verschwiegen werden. Sein Werk ist angereichert mit einer nicht nur für seine Zeit ungewöhnlich massiven Darstellung von sexueller Brutalität, welche auf ausgeprägte sadistische Neigungen des Autors schließen läßt.

Der Abenteuergehalt seiner Romane war mehr als ausreichend, um auch später, als die Aktualität seiner politischen Inhalte schon längst verblaßt war, seine Bücher bis weit über die Jahrhundertwende hinaus in immer wieder neuen - aber immer bearbeiteten - Ausgaben herauszubringen.