Sir John Retcliffe
Bibliographie (Die historisch-politischen Romane)

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Übersicht



Villafranka oder: Die Kabinete und die Revolutionen (1860-67)

  • Villafranca 1     Die Prologe 1 (Giuseppe Garibaldi)
  • Villafranca 1     Die Prologe 2 (Minen und Zünder)
  • Villafranca 2     Deutsche Sünden 1 (Die Geißel der Zeit)
  • Villafranca 1 und 2 später als Villafranca 1 unter dem Titel "Die rothe Fahne" in 4 Bänden

  • Villafranca 1.1     Die rothe Fahne 1 (Giuseppe Garibaldi)
  • Villafranca 1.2     Die rothe Fahne 2 (Minen und Zünder)
  • Villafranca 1.3     Die rothe Fahne 3 (Sodom und Gomorrha)
  • Villafranca 1.4     Die rothe Fahne 4 (Deutsche Sünden)

  • Villafranca 2.1     Zehn Jahre 1 (Die Tricoloren!)
  • Villafranca 2.2     Zehn Jahre 2 (Zur Reaction!)
  • Villafranca 2.3     Zehn Jahre 3 (Das Erbe des Neffen)
  • Villafranca 2.4     Zehn Jahre 4 (ohne Titel)

  • Villafranca 3     Magenta und Solferino 1
  • Villafranca 3     Magenta und Solferino 2
  • Villafranca 3     Magenta und Solferino 3

  • Villafranca 4     Solferino 1
  • Villafranca 3 und Villafranca 4 wurde später als Villafranca 3 und 4 zusammengefaßt und erschien dann unter dem Titel "Magenta und Solferino" in 4 Bänden, wobei auch noch in den 90er Jahren Bücher mit den alten Reihentiteln verkauft wurden.

  • Villafranca 3 u.4     Magenta und Solferino 1 (1. Abschnitt: Das Mene-Tekel der Revolution!)
  • Villafranca 3 u.4     Magenta und Solferino 2 (1. Abschnitt: Das Mene-Tekel der Revolution! Fortsetzung)
  • Villafranca 3 u.4     Magenta und Solferino 3 (2. Abschnitt: Frei bis zur Adria)
  • Villafranca 3 u.4     Magenta und Solferino 4 (3. Abschnitt: Ein Provisorium!)

Puebla oder: Die Franzosen in Mexiko (1865-67)
später:
Puebla oder: Der Schatz der Ynkas

  • Puebla (1 Der neue Argonautenzug)
  • Puebla (2 Guyamas)
  • Puebla (3 In der Sierra)

Biarritz (1868-78)

  • Biarritz 1     Gaeta. Warschau. Düppel. 1 (Masken ab!)
  • Biarritz 1     Gaeta. Warschau. Düppel. 2 (ohne Titel)
  • Biarritz 1     Gaeta. Warschau. Düppel. 3 (Königthum und Revolution)
  • Biarritz 1     Gaeta. Warschau. Düppel. 4 (Königthum und Revolution)
  • Biarritz 1     Gaeta. Warschau. Düppel. 5 (Königthum und Revolution)
  • Biarritz 1     Gaeta. Warschau. Düppel. 6 (Gaeta)
  • Biarritz 1     Gaeta. Warschau. Düppel. 7 (Unter der neuen Aera!)
  • Biarritz 1     Gaeta. Warschau. Düppel. 8 (Warschau)

  • Biarritz 2     Um die Weltherrschaft 1 (ohne Titel)
  • Biarritz 2     Um die Weltherrschaft 2 (ohne Titel)
  • Biarritz 2     Um die Weltherrschaft 3 (ohne Titel)
  • Biarritz 2     Um die Weltherrschaft 4 (ohne Titel)
  • Biarritz 2     Um die Weltherrschaft 5 (ohne Titel)



Die 35 Bände in 8 Serien mit etwa 16.000 Seiten, die historisch-politischen Romane aus der Gegenwart, sind in Wirklichkeit ein Gesamtroman, in dem alles miteinander verflochten und verwoben ist, Personen an unterschiedlichsten Stellen wieder auftauchen, Handlungsstränge nach langen Pausen wieder aufgenommen werden. Vorlage waren die politischen Vorgänge der Zeit.
Allerdings ist es Retcliffe, abgesehen von SEBASTOPOL, nie gelungen, den Stoff, wie von ihm geplant, abzuarbeiten. Durchschnittlich 700 Druckseiten im Jahr, 23 Jahre lang, waren zu wenig, weil seine Einleitungen zu üppig gerieten, weil er immer wieder auf das Zeitgeschehen reagieren mußte. Neue Serien mußten begonnen werden und alte Serien mußten überhastet zu einem schnellen Ende gebracht werden und vieles, für später geplant, konnte nicht mehr in Angriff genommen werden.

Die ersten drei Romanserien SEBASTOPOL, NENA SAHIB und VILLAFRANCA erschienen ab 1855 bei Carl Nöhring in Berlin.
Als für Nöhring erkennbar wurde, daß Retcliffe sich mit seinem Plan zur Fortsetzung der zweiten Villafranca-Serie DEUTSCHE SÜNDEN übernommen hatte, ließ er DIE GEISSEL DER ZEIT von fremder Hand abschließen. Retcliffe wechselte daraufhin den Verlag und begann 1862 bei Louis Gerschel mit einer neuen zweiten Serie ZEHN JAHRE.

Am Beginn des ersten Bandes (DIE TRICOLOREN!) des neuen zweiten Teils wendet sich Retcliffe an die Leser:

    Für den Leser!

    Die "Zehn Jahre" bilden die Fortsetzung und Vollendung des Romans "Villafranca", dessen Stoff unter der Hand des Autors zu mächtig gewachsen, als daß es ihm möglich gewesen, ihn in den ursprünglich bestimmten Raum hineinzudrängen. Autor und Verleger haben daher vorgezogen, das Buch mit der annoncirten Bogenzahl abzuschließen und die Fortsetzung unter neuer Form zu bringen. Es ist diese kurze Bemerkung für Diejenigen bestimmt und nothwendig , welche unser Buch etwa ohne Kenntniß des früheren in die Hand nehmen, und sich durch Bezüge auf Vorhergehendes unbefriedigt sehen. Der Autor will den Vorwurf vermeiden, daß er nicht ein Ganzes geliefert. Im Uebrigen tritt jeder einmal in seine Zeit ein, die ja niemals einen Abschluß findet, und muß sich an die bunte Gestalten halten, wie sie ihm gerade begegnen. Auch der neue Leser wird, wie wir hoffen, des Neuen so Manches in dem neuen Buch finden. Interessiren ihn die Bilder, so weiß er ja, wo er das Vorhergegangene zu suchen hat!

    Der Autor.

Die Nöhring-Teile VILLAFRANCA I. und II. wurden zu VILLAFRANCA I. zusammengefaßt und - vom Text her unverändert - unter dem Titel "DIE ROTHE FAHNE" in 4 Bände aufgeteilt: 1. GIUSEPPE GARIBALDI; 2. MINEN UND ZÜNDER; 3. SODOM UND GOMORRHA; 4. DEUTSCHE SÜNDEN.

Bei Nöhring erschienen die ersten drei Serien in neuen Auflagen bis ca 1867 weiter.

Etwa 1864 nach Abschluß von ZEHN JAHRE! wechselte Retcliffe erneut den Verlag und ging zu Liebrecht, der dann bis zu Retcliffes Tod 1878 sein Verleger blieb. (Da Gerschel und Liebrecht das gleiche Verlagssignet verwendeten, liegt die Annahme nahe, daß Gerschel in Liebrecht übergegangen ist.)
Hier erschien zunächst der 3. Villafranca-Teil MAGENTA UND SOLFERINO, an dessen Ende vom Verlag auf einer Werbeseite BIARRITZ mit den 3 Abteilungen GAETA-WARSCHAU-DÜPPEL!, DER INNERE KONFLIKT und DEM KÖNIG GERÄT`S! angekündigt wurde. Vorher erschien aber noch die Serie PUEBLA, ODER DIE FRANZOSEN IN MEXIKO, die aber über die Einleitung nicht hinauskam und deren Titel daher in DER SCHATZ DER YNKAS umgeändert werden mußte.
Auch BIARRITZ konnte von Retcliffe nicht wie geplant abgearbeitet werden und nach Abschluß der ersten Biarritz-Serie wurde das Konzept geändert, die zweite Serie erschien unter dem Titel UM DIE WELTHERRSCHAFT!

Ca 1868 übernahm Liebrecht auch die Rechte der ersten Serien von den Vorgängern und begann eine Gesamtausgabe herauszubringen, welche 1878 mit UM DIE WELTHERRSCHAFT. (Band 5. von fremder Hand fertiggestellt, da Retcliffe gestorben war) abgeschlossen wurde. Die Texte für die Gesamtausgabe wurden von den früheren Serien unverändert übernommen.

Diese Gesamtausgabe wurde dann etwa ab 1879 ohne Änderung zunächst weiter von Kogge & Fritze und etwa ab 1892 von J. M. Bernhardi herausgebracht.
Erstaunlich ist, daß Bernhardi auch die mindestens 15 Jahre alte, bei Liebrecht erschienene und längst völlig überholte Verlagsankündigung für die drei so nie erschienenen Biarritz-Serien im letzten Magenta-Band übernommen und sogar mit dem eigenen Namen versehen hat (siehe Bild).

Da sowohl von Kogge & Fritze wie auch von Bernhardi jeweils unverkaufte Bestände der Vorgänger übernommen wurden, existiert im letzten Jahrzehnt ein Vielzahl von gemischten Ausgaben.

Parallel zu der weitergeführten Liebrecht-Ausgabe begann Kogge & Fritze 1879 mit der Herausgabe einer Volksausgabe. In Folge der schwindenden Aktualität der Romane wandte sich das Interesse der Leser vom politischen Inhalt ab und dem abenteuerlichen Inhalt zu. Dies fand seinen Ausdruck in der gegenüber der Liebrecht-Ausgabe veränderten Reihenfolge. Zuerst erschienen die Teile des Gesamtwerks, in denen das Abenteuerliche am stärksten ausgeprägt ist - NENA SAHIB, PUEBLA und SEBASTOPOL. Der Rest folgte dann in der vorgegebenen chronologischen Reihenfolge. Außerdem kam NENA SAHIB auch in einer illustrierten Ausgabe heraus.
Die letzte im Text unveränderte Ausgabe war der Neudruck SEBASTOPOL (1903, 5 Bde) im Verlag Richard Eckstein Nachf., der nun die Rechte besaß.

Ab 1903 folgte dann in diesem Verlag die von Ernst Götz bearbeitete Ausgabe mit NENA SAHIB am Anfang und dem dann ebenfalls bearbeiteten SEBASTOPOL am Ende (Bde.32-36). Der Umfang der Bearbeitung war relativ gering, so daß die Götz-Ausgabe als Leseausgabe noch brauchbar ist.

Ab 1926 erschien im Retcliffe-Verlag, einer Gründung des Karl-May-Verlags, die sogenannte Barthel-Winkler-Ausgabe.
Diese Ausgabe ist entsprechend den Bearbeitungsgepflogenheiten des damaligen Radebeuler Karl-May-Verlags so weitgehend gegenüber dem Original verändert, daß sie mit diesem nichts mehr zu tun hat. Lisa Barthel-Winkler kannte nicht einmal die Originaltexte - sie schlachtete die schon bearbeitete Götz-Ausgabe aus. Die Vorlage wurde atomisiert und dann nach den Vorstellungen der Bearbeiterin, die nach eigenem Bekunden diese Vorlage gar nicht verstanden hatte, wieder zusammengesetzt. Was nicht paßte wurde passend gemacht, Personen und Geschichten wurden nach Belieben hinzuerfunden oder weggelassen, vom Stil Retcliffes blieb nichts mehr übrig.